Ihren Schwerpunkt legt die Stiftung auf das Programm „Eine Geige in meiner Schule“, das für Kinder aus Brennpunktschulen mit besonderem Förderbedarf (REP: Réseau d’Éducation Prioritaire) entwickelt worden ist. Intensiver Geigenunterricht an diesen Schulen bietet ihnen in der Tat einen schnelleren Erwerb von Fähigkeiten, die sie für das schulische Lernen brauchen. Darüber hinaus bekommen sie Einblicke in die Welt der klassischen Musik.

Ein vorrangiges Erziehungsziel

  • Mit Hilfe des Geigenunterrichts die Lernfähigkeit der Vier- bis Achtjährigen fördern und so dem Schulversagen entgegenwirken
  • Darüber hinaus allen den Zugang zur klassischen Musik eröffnen

Vorbeugung gegen ein in vielen Ländern ungelöstes Problem: das Schulversagen

In Frankreich verlassen jährlich 100.000 Jugendliche ohne Abschluss die Schule. Jeder Schulabbrecher kostet die Gesellschaft geschätzte 230.000 € (Studie der Boston Consulting Group BCG und desMinistère de l’Éducation Nationale, de la Jeunesse et de la Vie Associative MENJVA aus dem Jahr 1012, Abschlussbericht 2016).

In Frankreich, wo Faktoren sozialer Vorbestimmung innerhalb der OECD mit am stärksten ausgeprägt sind, sehen 40% der Schüler sich schon beim Verlassen der Grundschule in Schwierigkeiten.

Das Spielen eines Instruments hat wissenschaftlich erwiesene Auswirkungen

Ernstzunehmende wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass praktische Beschäftigung mit Musik die Kinder in ihren Lernfortschritten sehr günstig beeinflusst, u.a. wegen der damit einhergehenden Stärkung ihrer Konzentrationsfähigkeit, ihrer Merkfähigkeit und ihrer Abstraktionsfähigkeit. Daraus folgt auch eine größere Leichtigkeit beim Spracherwerb, einer der wichtigsten Schlüsselqualifikation für erfolgreiches Lesenlernen.

Kinder aus benachteiligten Milieus kennen im Alter von vier Jahren etwa 500 Wörter, während andere über etwa doppelt so viele verfügen. Hier kommt es im Wesentlichen auf ein wirksames Mittel an, das ihnen hilft, diese Lücke sehr zügig und schon in jüngsten Jahren zu schließen, weil sie anders nicht in den vollen Genuss des Lernangebots kommen, das der Unterricht für sie bereithält.

Warum die Geige?

Zeitgleich mit der Herausbildung wesentlicher kognitiver Abläufe in den ersten sieben Lebensjahren kann regelmäßiges Geigenspiel auf das gesamte Gehirn anregend wirken und seine verschiedenen Teilbereiche miteinander vernetzen. (Vgl. das Video von Anita Collins: How playing music impacts your brain)

Wie funktioniert das Programm „Eine Geige in meiner Schule“?

„Eine Geige in meiner Schule“ richtet sich an Schulen in Einzugsgebieten mit sozialer Benachteiligung (in Frankreich REP und REP+ = Schulen mit besonderem Förderangebot; in der Schweiz Einzugsgebiete mit starkem Einwandereranteil).

Ab dem Alter von vier Jahren ist der Musikunterricht vier Jahre lang verpflichtend und fest in den Stundenplan eingebaut.

Der Geigenunterricht wird von Lehrern der örtlichen Konservatorien erteilt, wobei die Pädagogik sich dem Alter der Kinder anpasst und über die vier Jahre konsequent weiter entwickelt wird. Pro Woche nehmen die Kinder in Kleingruppen an zwei Unterrichtsstunden teil und an einer Stunde im Klassenverband bzw. in halber Klassenstärke. Die Teilnahme der Eltern ist dabei erwünscht.

Die Familien sind tatsächlich integraler Bestandteil des Projekts. Sie sind eingeladen, ihre Kinder zu unterstützen und ihre Verbundenheit mit der Schule dadurch zu vertiefen, dass sie sowohl am Unterricht wie auch an Festen teilnehmen, die von der Schule, der Stiftung und den Geigenlehrern organisiert werden.

In Zahlen: Mit dem Schuljahresbeginn 2019 kommen 1200 Kinder in zehn Schulen (fünf in Frankreich und fünf in der Schweiz) in den Genuss dieses Programms. Bei voller Auslastung stehen diese acht Schulen im Jahre 2020 für ein Kontingent von 1600 Kindern, die Geige spielen.